Was ist eigentlich Yoga Nidra?

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Was ist eigentlich Yoga Nidra?

Yoga Nidra ist eine traditionelle Entspannungstechnik aus dem Yoga. Anders als beim klassischen Yoga stehen keine Körperübungen im Mittelpunkt, sondern eine geführte Tiefenentspannung zwischen Wachsein und Schlaf. Viele Menschen nutzen Yoga Nidra, um Stress abzubauen, besser zu schlafen und mehr innere Ruhe zu finden.

In diesem Blogbeitrag erfährst du, wie Yoga Nidra funktioniert, welche wissenschaftlich untersuchten Wirkungen es gibt und wie eine typische Einheit abläuft. Damit du das auch selbst gleich ausprobieren kannst, findest du weiter unten eine Yoga Nidra Einheit auf YouTube!

Was ist Yoga Nidra?

Yoga Nidra bedeutet übersetzt „yogischer Schlaf“ und dabei handelt es sich um eine uralte Praxis, in welcher der Praktizierende in einen tiefen Zustand bewusster Entspannung eintritt. Yoga Nidra ist eine systematische Methode, um das Bewusstsein von der äußeren Welt in die Innere zu lenken. Es geht dabei nicht um Asanas, Atemübungen oder Meditation, sondern um das Erreichen eines Zustandes zwischen Schlaf und Meditation. Ziel der Yoga Nidra Tiefenentspannung ist es, einen Zugang zu tieferen Bewusstseinsschichten zu schaffen. Dadurch soll es möglich werden, geistig, emotional und körperlich vollkommen entspannen zu können. 

Die heute weit verbreitete Form des Yoga Nidra wurde maßgeblich von Swami Satyananda Saraswati, dem Gründer der Bihar School of Yoga, geprägt und systematisiert.

Kurz erklärt: Yoga Nidra ist eine geführte Tiefenentspannung im Liegen, bei der Körper und Geist bewusst zur Ruhe kommen. Ziel ist nicht das Einschlafen, sondern ein entspannter Bewusstseinszustand.

Wer war Swami Satyananda Saraswati?

Swami Saraswati (1923-2009) war 1964 der Gründer der "Bihar School of Yoga". Diese beschäftigte sich mit der Erforschung yogischer Traditionen.

Saraswati zufolge sind sechs große Yoga-Traditionen wegweisend gewesen: Hatha Yoga, Raja Yoga sowie Kriya Yoga stellen die äußeren Yoga-Wege dar. Sie befassen sich vornehmlich mit körperlich-geistigen Übungen. Ziel sind die Auflösung unserer Konditionierungen und die Persönlichkeitsentwicklung. Karma Yoga, Bhakti Yoga sowie Jnana Yoga sieht Swami Saraswati als innere Yoga-Wege. Diese streben eine positivere und kreativere Lebensführung an.

Die Entspannungsmethode des Nidra Yoga wurde aus dem Raja Yoga abgeleitet. Die von Saraswati beeinflusste Yoga-Methode bietet sich als Stressentlastungs-Übung an. Sie könnte in die Behandlung von Patienten mit Burn-out integriert werden. Zudem könnte diese Methode der Tiefenentspannung als Begleit-Therapie zur Heilung von Erkrankungen beitragen.

Yoga Nidra oder Meditation – wo liegt der Unterschied?

Yoga Nidra wird häufig mit Meditation verwechselt. Tatsächlich gibt es Überschneidungen, dennoch unterscheiden sich beide Praktiken deutlich.

Yoga Nidra Meditation
Praxis in der Rückenlage Im Sitzen praktiziert
Geführte Entspannung Oft freie Achtsamkeitspraxis
Tiefenentspannung  Präsenz und Beobachtung
Dauer meist 20–45 Minuten Dauer individuell

Während Meditation häufig darauf abzielt, Gedanken bewusst wahrzunehmen, führt Yoga Nidra systematisch durch verschiedene Entspannungsphasen und unterstützt den Übergang in einen Zustand tiefer Regeneration.

Wie verläuft eine Yoga Nidra Stunde im Yogastudio?

In einer Yoga-Nidra-Einheit wirst du mit Hilfe von klaren Ansagen in eine tiefe Entspannung geführt, dabei werden deine Aufmerksamkeit und dein Geist gelenkt, sodass du nicht einschläfst. Beim Yoga Nidra begibt man sich in Savasana, die Rückenentspannungslage, und richtet sich so ein, dass man gut und bequem auf seiner Matte oder dem Boden liegen kann.

  1. Anfangsentspannung: Diese Phase ist die Vorbereitungsphase, in der sich der Körper zu entspannen beginnt. Spannungen werden langsam abgebaut und man wird sich seiner selbst und der Umgebung bewusster. In dieser Phase geht es darum, von der groben, äußeren Wahrnehmung zur subtilen, inneren Wahrnehmung überzugehen.
  2. Intention (Sankalpa): Ein Sankalpa ist eine kurze Formulierung, die sehr allgemein oder sehr spezifisch sein kann. Etwas, das wir unbedingt erreichen wollen. Wir werden gebeten, unseren "Sankalp" oder "Entschluss" ein paar Mal mit vollem Glauben und voller Überzeugung mental zu wiederholen.
  3. Körper wahrnehmen: Wir gehen mit unserer Aufmerksamkeit bewusst durch jedes Körperteil und dadurch entspannt sich systematisch der ganze Körper. Alle Körperteile, die wir gewohnheitsmäßig angespannt halten, werden losgelassen.
  4. Bewusstheit für Atem und Energie: Hier geht es um die einfache Wahrnehmung des Atems. Manchmal wird der Atem gezählt, aber im Wesentlichen wird er sehr gleichmäßig gehalten. Auf dieser Stufe wird eine noch tiefere Entspannung erreicht und es werden mehr Energien geweckt, die auf alle Teile des Körpers gelenkt werden können.
  5. Sensorische Wahrnehmung: Diese Stufe unterstützt dich dabei, gegensätzliche Empfindungen oder Emotionen zu erfahren, ohne zu urteilen oder emotional zu reagieren. Hierdurch kann die Willenskraft gestärkt und eine emotionale Entspannung herbeigeführt werden, indem die entgegengesetzten Gehirnhälften angeregt werden. Ein übliches Vorgehen bei der Durchführung dieser Wahrnehmungsphase besteht darin, sich auf Gegensätze zu konzentrieren, wie z.B. heiß und kalt oder leicht und schwer.
  6. Visualisierung der Chidakasha: In der sechsten Stufe wirst du die Chidakasha visualisieren, d.h. den dunklen Raum, der vor deinen Augen liegt, wenn deine Augenlider geschlossen sind. Du wirst eingeladen, dir eine lebendige Szene in diesem Raum vorzustellen. Auf diese Weise wird der Geist und deine Innenwelt von “störenden Gedanken” befreit und du kannst mental und emotional noch tiefer entspannen und loslassen.
  7. Wiederholung des Sankalpa: Während der siebenten Stufe rufst du das Sankalpa auf, welches du in der zweiten Stufe rezitiert hast und wiederholst es drei weitere Male. Dieses Versprechen an uns selbst wird tief in das Unterbewusstsein einsinken, welches jetzt die Aufgabe hat, uns regelmäßig zur Verwirklichung unseres Vorsatzes zu motivieren.
  8. Achtsames Zurückkehren: Am Ende der Yoga-Nidra-Einheit wirst du schrittweise und ganz achtsam wieder in die Umgebung zurückgeholt z.B., verweilt der Yoga-Nidra-Praktizierende noch einige Augenblicke im Atembewusstsein und der Körperwahrnehmung. Um sanft aus diesem Schwellenzustand zwischen Schlaf und Wachsein zu erwachen, wird der Körper mit langsamen und sanften Bewegungen wieder aktiviert.

Damit du Yoga Nidra in deinem Alltag auch gleich ausprobieren kannst, findest du hier eine 20-minütige Einheit zur Tiefenentspannung und gegen Stress. 

Die Ziele von Nidra Yoga

Eines der Ziele von Nidra Yoga ist es, dem Übenden eine andere Wahrnehmung seiner selbst zu ermöglichen. Swami Satyananda Saraswati erkannte bereits früh, dass wir in einer zunehmend hektischen und reizüberfluteten Zeit leben. Viele Menschen lassen sich von allem, was um sie herum passiert, vereinnahmen. Sie unterliegen den äußeren Reizen. Sie begeben sich in ein Meer medialer Überflutungen. Sie verlieren durch die Ansprüche der Moderne ihre Mitte.

Mit den Übungen des Nidra Yoga können Übende sich jederzeit ins Innere ihrer selbst zurückziehen. Sind Körper und Geist in einem meditativen, entspannten und aufnahmebereiten Zustand, kann der Übende sich vom täglichen Stress erholen. Der Betroffene kann sich mehr auf seine eigenen Ziele fokussieren. Er kann alles, was ihn stresst, besser auf Abstand halten. Die Übung des Nidra Yoga ermöglichen ihm, erfrischt und konzentriert an die Arbeit zu gehen. Dabei verliert er durch die verinnerlichte Affirmation seine eigenen Ziele nicht aus den Augen.

Nidra Yoga gilt neben der forschenden Arbeit an Yoga-Traditionen als wichtigster Beitrag Swami Saraswatis für den Yoga. Seine aus dem Tantra entlehnte Yoga-Praxis wird als eine "dynamische Form des Schlafens" angesehen. Der entspannte Zustand, der damit erzielt werden kann, schafft einen Zugang zum Inneren. Der gestresste Mensch nimmt seine Gefühle und seine körperlichen Verspannungen wahr. Er wird sich seiner mentalen, emotionalen und spirituellen Bedürfnisse bewusst.

Welche Wirkung hat Yoga Nidra?

Viele Menschen berichten bereits nach wenigen Einheiten von einem größeren Gefühl innerer Ruhe. Auch wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich zunehmend mit den möglichen Effekten der Methode.

Studien deuten darauf hin, dass Yoga Nidra unter anderem:

  • das subjektive Stressempfinden reduzieren kann,
  • die Schlafqualität verbessern kann,
  • die Entspannungsfähigkeit fördert,
  • die Konzentration unterstützen kann,
  • das allgemeine Wohlbefinden steigern kann.

Darüber hinaus wurden in einzelnen Untersuchungen Veränderungen der Gehirnaktivität sowie positive Effekte auf Blutdruck und Muskelspannung beobachtet. Die Studienlage entwickelt sich kontinuierlich weiter, sodass weitere hochwertige Forschung notwendig ist, um einzelne Wirkmechanismen genauer zu verstehen.

Wichtig: Yoga Nidra kann eine wertvolle Ergänzung für mehr Entspannung im Alltag sein, ersetzt jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

Fazit: Warum Yoga Nidra einen Versuch wert ist

Yoga Nidra zeigt, dass Yoga weit mehr sein kann als körperliche Bewegung. Die geführte Tiefenentspannung bietet einen wirkungsvollen Gegenpol zu einem oft hektischen Alltag und hilft vielen Menschen dabei, bewusster zur Ruhe zu kommen.

Ob im Yogastudio oder zuhause – schon wenige Minuten regelmäßiger Praxis können dazu beitragen, Stress loszulassen, neue Energie zu schöpfen und die Verbindung zu sich selbst zu stärken. Wenn du auf der Suche nach einer sanften und gleichzeitig wirkungsvollen Entspannungsmethode bist, lohnt es sich, Yoga Nidra einfach einmal auszuprobieren.

Häufige Fragen zu Yoga Nidra

Ist Yoga Nidra eine Meditation?

Nein. Yoga Nidra nutzt zwar meditative Elemente, verfolgt jedoch einen klar strukturierten Ablauf und wird in der Regel im Liegen praktiziert.

Kann man bei Yoga Nidra einschlafen?

Ja. Gerade Anfänger schlafen gelegentlich ein, das ist aber garnicht schlimm. Mit zunehmender Übung gelingt es vielen Menschen jedoch, den entspannten Bewusstseinszustand bewusst wahrzunehmen.

Wie lange dauert Yoga Nidra?

Die meisten Einheiten dauern zwischen 20 und 45 Minuten.

Wie oft sollte man Yoga Nidra praktizieren?

Bereits ein bis drei Einheiten pro Woche können dabei helfen, mehr Ruhe und Entspannung in den Alltag zu bringen.

Kann man Yoga Nidra im Bett machen?

Grundsätzlich ja. Allerdings besteht im Bett eine größere Wahrscheinlichkeit einzuschlafen. Für die eigentliche Praxis eignet sich deshalb häufig eine Yogamatte besser, außer natürlich du nutzt Yoga Nidra gezielt für einen besseren Schlaf. 

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1 Kommentar

R

Ruedi Schaad

vor 123 Tagen

Habe es zum ersten Mal angewendet und bin sehr zufrieden damit
Ruedi